Die Politik muss den neuen Bedingungen auf den weltweiten Märkten für Agrarrohstoffe Rechnung tragen

In den letzten Jahren haben sich die Preise für Agrarrohstoffe deutlich erhöht. Die Ursachen sind begründet teils in klimatischen Veränderungen und dadurch zunehmenden Missernten, teils in Nutzungskonkurrenzen wie etwa zur wachsenden Biokraftstofferzeugung, doch vor allem in einem weltweit wachsenden Pro-Kopf-Verbrauch der mit steigenden Einkommen in bevölkerungsreichen Schwellen- und Entwicklungsländer wie China, Indien, Indonesien oder Nigeria einhergeht. Diese Länder haben im Vergleich zu Industrienationen einen wesentlich geringeren Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker. Mit wachsenden Einkommen in diesen Ländern wächst auch die Nachfrage nach Süßwaren, Erfrischungsgetränken und anderen Zucker enthaltenden Lebensmitteln.

Die Internationale Zuckerorganisation (ISO) schätzt das weltweite Wachstum im Zuckerverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 2 % pro Jahr. Dabei ist die Nachfrageentwicklung eng an das steigende Pro-Kopf-Einkommen geknüpft.

Für die deutschen und europäischen Zuckerverwender bedeutet dies ein großes Wachstumspotential für Drittlandexporte. Dies setzt aber ausreichende Verfügbarkeit des Rohstoffes Zucker in Europa voraus, der nicht mehr durch die Quote gedeckelt ist. Der Fokus der europäischen Zuckermarktregelung sollte daher nicht den Anbau als Selbstzweck ins Auge fassen, sondern vielmehr die Nachfrageseite einschließen. Hier liegen die gesamtwirtschaftlichen Wachstumspotentiale.

Die strukturell höheren Preise für Lebensmittelrohstoffe auf den weltweiten Agrarmärkten begünstigen die Situation der Landwirte. Sollte es zur Aufrechterhaltung eines angemessenen Einkommens erforderlich sein, so können Rübenerzeuger heute bereits auf den Anbau andere Feldfrüchte wechseln. Durch die Opportunitätskosten der alternativen Anbaumöglichkeiten wird künftig ein Mindestpreis für Zucker determiniert. Dies stärkt die Position der Rübenerzeuger und sollte die Politik beruhigen, was die Anbauseite anbelangt.

« Die Zuckerquote hat keine Daseinsberechtigung mehr, sichert nicht langfristig den Rübenanbau in der EU und fördert eher „alte Verkrustungen“