Strenge Marktregulierung und protektionistische Einfuhrpolitik

Die strenge Marktregulierung und eine protektionistische Einfuhrpolitik wie zu Kaisers Zeiten erweisen sich als nicht praxisgerecht. Der unverhältnismäßig hohe EU-Schutzzoll für Zucker vom Weltmarkt muss abgesenkt werden, damit Zuckerverwender in Zeiten von Zuckerknappheit in der EU auf Importe vom Weltmarkt unbürokratisch zurückgreifen können.

Die Angebotsmenge durch die Zuckerquote, sprich durch die europäische Produktion, ist heute auf 85 % des EU-Eigenbedarfs begrenzt. Die fehlenden 15 % werden durch Einfuhren, insbesondere aus den LDC-/AKP-Staaten, die zu Null-Zollsätzen oder im Rahmen von bestimmten Kontingenten unbegrenzt liefern dürfen, abgedeckt. Wird der Bedarf für die Exporte von Verarbeitungsprodukten in die Rechnung einbezogen, so erhöht sich der Einfuhrbedarf von Zucker auf 22 %.

Der EU-Zuckermarkt heute

Der reguläre Schutzzoll schirmt die EU gegen Zuckereinfuhren vom Weltmarkt ab. Mit 419,- €/t liegt der Einfuhrzollsatz sogar über dem zu sichernden theoretischen Referenzpreis in der EU von 404,- €/t. Die Differenz aus planwirtschaftlicher Quotenmenge und EU-Bedarf soll hauptsächlich durch Einfuhren aus bestimmten Entwicklungsländern erfolgen. Diese ursprünglich gute Idee schlägt jedoch fehl. Die aus entwicklungspolitischer Sicht geplanten Importe in die EU blieben in weiten Teilen aus. Diesen fehlenden Einfuhren standen keine kompensierenden Importe aus anderen Regionen der Welt zum Null-Zollsatz gegenüber.

Lieferberechtigte LDC- und AKP-Staaten

Die meisten der LDC/ AKP Staaten sind selbst Nettoimporteure und auf Zuckerimporte angewiesen. Aber auch die Länder, die Zucker exportieren können, produzieren nicht alle im ausreichenden Maße die Mengen für den europäischen Markt. Auch gibt es andere Märkte, etwa in Nordamerika oder im asiatischen Raum die an Attraktivität gewinnen. Hinzukommt, dass auch der eigene Verbrauch in den Entwicklungsländern etwas ansteigt.

Dies resultierte daraus, dass sie die eigene Produktion im eigenen Land konsumierten oder andere Zielmärkte bedienten. Hinzu kommt, dass die meisten dieser Staaten ohnehin selbst Nettoimporteure von Zucker sind.

Das Ergebnis ist eine sich seit Herbst 2010 abzeichnende Knappheit am europäischen Zuckermarkt. Beim derzeitigem Zollsatz von 419,- €/t Zucker ist auch kein Ausweichen der Zuckerverwender auf Lieferanten vom Weltmarkt möglich.